Psyche und Temperament



Bei Pferden kann es wie bei uns, ab und zu zu psychischen Fehlsteuerungen kommen. Stressreize in Mengen und sehr oft vorkommend, werden nur bedingt vom Körper geduldet. Über mangelnde Stressreize brauchen wir uns im Moment leider wenig Gedanken zu machen, da Corona einiges auf den Kopf gestellt hat. Tiere merken wenn ihre Besitzer einen erhöhten Stresspegel haben und sensible Tiere können die negativ Welle übernehmen. Bedingt durch die schwierige Zeit, hat das auch in einigen Ställen zu Umstrukturierungen geführt. Die Pferde konnten nicht mehr wie gewohnt bewegt werden und der Tagesablauf war plötzlich auch anders. Auch wenn vieles sich inzwischen normalisiert hat, bleiben Restprodukte übrig. Das Verhalten einiger Pferde hat sich geändert. Je perfekter die Haltung und Pflege des Pferdes und je besser das Verhältnis zwischen Besitzer und Pferd, desto ausgeglichener ist die Psyche des Pferdes.


Bei Pferdehaltung muss immer ein harmonischer Umgang mit dem Pferd gewährleistet sein. Die Qualität der Pferdehaltung beeinflusst in hohem Maße die Psyche, je perfekter die Lebensqualität des Pferdes ist, desto besser in das Verhältnis zwischen Besitzer und Pferd. Die Psyche ist stabil und die Gefahr einer möglichen Fehlsteuerung ist relativ gering. Das Körperliche und das Seelische sind eng miteinander verbunden. Die Verflechtung zwischen hervorragendem seelischen Wahrnehmungsvermögen und unverstandenen, sträflichen Erziehungsmethoden ruft automatisch psychische Störungen hervor und somit wird die ganze Ausbildung in Frage gestellt. Wie oft wird gerade bei jungen Pferden soviel falsch gemacht, dass sie ihr veranlagtes Potential nie zum Ausdruck bringen können. Es gibt Pferde die ein angeborenes Angstgefühl besitzen, die Mehrheit jedoch besitzt ein erworbenes, dass oft unbewusst von uns gesteuert wird. Die Verantwortung dem Tier gegenüber beinhaltet auch das Eingehen auf die Psyche des Pferdes. Bei Pferden die zu mehreren auf die Weide sollen, ist darauf zu achten, dass keine ungleiche Anzahl Pferde vorhanden ist, sonst würde zwangsläufig einer zum Außenseiter werden. Bei größeren Herden sollte früh genug damit angefangen werden die Pferde aneinander zu gewöhnen, da sich Pferde auch unsympathisch sein können und dies oft massiv zum Ausdruck bringen.


Der Grundstein für die Belastung der Psyche, wird oft genug schon durch züchterische Manipulation gelegt. Sehr oft sind körperliche Erkrankungen (Magen- Darmprobleme, Muskelverspannungen, Nervosität, Hautallergien) Ausdruck von seelischen Störungen.


Das Pferd äußert Disharmonien seinem Charakter entsprechend, entweder mit Rückzug in sich selbst oder mit Aggression seiner Umgebung (Besitzer) gegenüber.


*eifrig, feurig, haben ein hitziges Temperament


*sie können aber auch boshaft, tückisch oder zornig sein


*die Pferde zeigen Ärger über Kleinigkeiten, eine ausgeprägte Streitsucht und sind missmutig


*besonders dann wenn es nicht nach ihrem Willen geht


Neben diesem eher dominaten Verhalten gibt es auch die ängstlichen Kandidaten. Man findet eine Überempfindlichkeit gegen äußere Einflüsse, starke Geräusche. Die Pferde neigen zu einem störrischen Verhalten. Sie können sich schlecht entspannen und sind innerlich unruhig. Das Pferd kann so gereizt und ungehalten sein, das es zu Übergriffen auf den Halter oder andere Pferde kommen kann. Oft haben solche Pferde in der Vergangenheit zusätzlich schlechte Erfahrungen gemacht. Schon die kleinste Futterumstellung reicht um eine Kolik auszulösen. Oft zeigen die Pferde auch Durchfall oder Kotwasser. Durch das schnelle und gierige Fressen treten Magenprobleme auf die sich zu einer Gastritis entwickeln können. Nach dem Fressen sind die Tiere schlapp und müde und können aggressiv werden, wenn sie gestört werden.


Diese Pferde haben meist Probleme beim Verladen und zeigen auch bei Umzügen in einen neuen Stall oder auf eine andere Wiese deutlich ihren Unmut. Als Ursache der Erscheinungen finden wir Stress, Medikamente, Bewegungsmangel, falsches Futter, äußere Reize, laute Geräusche, grelles Licht. Alle Symptome treten periodisch auf und immer sind starke Reflexe vorhanden. Typisch ist, dass sich sehr oft das aggressive Verhalten auf Einzelpersonen oder Pferde richtet. Bei der Steigerung der Erregbarkeit werden die unwillkürlichen Muskeln erreicht, die dann verkrampfen. Wird das Pferd berührt tritt eine übertriebene Reflexbereitschaft ein und es treten Zuckungen auf. Man könnte auch sagen das das Pferd ständig auf einem Pulverfass sitzt. Diese ganzen Verspannungen ziehen sich durch den gesamten Körper und es treten Rückenschmerzen auf. Es ist schmerzhaft sich zu dehnen oder sich zu drehen. Der Hauptschmerz liegt besonders in der Lumbalregion. Vielerlei Empfindungen von Reißen und Spannungen in den Muskeln, ziehen im Nackenbereich, Kräfteverlust in den Beinen oder Schwäche und Zittern können auftreten.


Die psychischen Störungen können folgende Probleme auslösen :


* Nervenausfälle und Wirbelsäulenerkrankungen


* Große Unruhe beim Hängerfahren


* gehäuft Koliken, Durchfall, Kotwasser


* Verdauungsstörungen


* Stressreaktionen über die Haut, Ekzem, Juckreiz, Quaddelbildung


* allgemeine Steifigkeit der Hals- und Rückenmuskulatur


* Schmerzen zwischen den Schulterblättern


* Steifigkeit der Glieder


* Sattelzwang


* Reizbarkeit, Jähzorn mit heftigen Wutanfällen, Ärger, Ungeduld


* Empfindlich gegen Lärm, Licht, Gerüche, Geräusche, Berührung


Es ist auch schwieriger geworden in unserer schnelllebigen Zeit eine Art Abschaltprogramm in den Kopf zu bekommen, wenn man den Stall betritt. Meist muss es schnell schnell gehen, weil der Andere Pferdebesitzer die Halle oder den Außenbereich auch noch nutzen will. Das Kind muss vom Fußball abgeholt werden, der Hund bei der Nachbarin und der Mann will schließlich auch noch etwas essen, wenn er nach Hause kommt. Der Termin mit dem Schmied nächste Woche reibt sich mit dem Kinderarzttermin und der Tierarzt der zum impfen kommt, konnte auch keine genaue Uhrzeit benennen. Selber hat man den Zahnarzttermin schon zweimal verschoben und das Auto muss dringend in die Werkstatt. All diese Dingen kreisen im Hinterkopf und lösen den eigenen Stress aus. Ihr Pferd hatte an diesem Tag vielleicht auch seinen eigenen Stress, das Futter schmeckte anders als sonst, die Box wurde gewechselt und den neuen Nachbar mag ich überhaupt nicht. Dann ist auch noch der Weidenachbar verkauft worden………… Dann kommen sie, und zwei Stressbolzen treffen aufeinander, verstehen sie was ich meine, manchmal sind die Probleme im Umgang auch hausgemacht. An ihren Terminen kann ich nichts ändern aber an ihrer Denkweise vielleicht. Glauben sie mir, auch ich kann mich nicht freisprechen von solchen Problemen. Wir sind alle nur Menschen die Pferde lieben.


Ihre Tierheilpraktikerin Birgit Vaupel